Den Online-Handymarkt und die etablierte Markenwelt mittels eines transparenten und kundenfreundlichen Vergleichsportals richtig umzukrempeln, das haben sich die Gründer von chinahandys.net mit ihrer Webseite auf die Fahne geschrieben. Die ku.bus Redaktion traf sich im SRH Gründerinstitut mit Tim Tabellion, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von chinahandys.net und sprach mit ihm über chinesische Märkte und Hersteller, überraschende Medienhypes, Community Management und darüber, den Leuten mittels Authentizität ihre Angst vor dem Unbekannten zu nehmen.

Wo Technikbegeisterung auf E-Commerce trifft: Tim Tabellion, Jonas Andre und Joscha Becking  gründen chinahandys.net.

Tim Tabellion hegte schon immer ein großes Interesse an Technik, vor allem aber am Verhältnis von Qualität und Preis. „Im Handy-Sektor kann man ca. 300-500 Euro sparen mit der richtigen Expertise“, erklärt er. Im September 2013 wurde in Kombination einer Spaßbestellung bei einem chinesischen Online-Shop und einem Bachelor in E-Commerce aus diesem Interesse chinahandys.net. Gemeinsam mit seinen Freunden Jonas Andre und Joscha Becking hatte er im Studium gerade Affiliate- und Content-Marketing behandelt und besprochen, wie man eine Seite mit wenig Geld aufstellen kann. Die Idee das Ganze selber auszuprobieren kam eines Abends zufällig: „Jonas hat sein 60 Euro-Smartphone ausgepackt und wir dachten, das kann einfach nicht so funktionieren wie ein hochwertigeres Handy.“

Referenzmodelle kosteten deutlich mehr, doch da die technikbegeisterten Freunde schon immer viel auf Testseiten für Schnäppchenjäger unterwegs waren, wurden sie neugierig, was das billige Smartphone wirklich zu bieten hatte. Der Handymarkt in China war zu diesem Zeitpunkt noch sehr unübersichtlich. In einem Dschungel von chinesischen No-Name-Verkäufern und Untergrundforen, die sich über Produkte austauschten, hieß es erst einmal selber ausprobieren und Berichte schreiben. Dementsprechend habe die Homepage auch ausgesehen, schnell und chaotisch, berichtet Tabellion lachend.

Tim Tabellion erklärt der ku.bus Redaktion, wie sie sich durch Bestellungen und eigene Berichte einen Überblick über Hersteller, Produkte und Qualität geschaffen haben.

Die Gründer haben sich Testgeräte gekauft und Berichte geschrieben, doch dies generierte zunächst keinen Traffic auf ihrer Webseite. Fünf bis Zehn User in den analytics-Daten zu sehen war bereits ein Erfolg. Die einzige Steuerung der Besucherzahlen war der erzeugte Content und alles andere schien zunächst zufällig. „Bei unseren ersten Sales, bei dem Besucher von unserer Seite auf einen chinesischen Onlineshop kamen und dort einen Akku kauften, haben wir nur 80 Cent verdient. Aber wir haben weitergekämpft und einfach nicht aufgehört.“ Diese Hartnäckigkeit hat sich mehr und mehr ausgezahlt. Shops stellten Testgeräte zur Verfügung und mit steigenden Nutzerzahlen erhöhten sich auch die Klicks zu den Shops und damit auch der Umsatz.

Den ersten Meilenstein erreichten die Gründer dann Ende 2014, als sie nach China flogen. Im Voraus wurden viele Mails an die Hersteller und Shops geschrieben – mit Erfolg. Durch das persönliche Erscheinen haben sie Wertschätzung der Hersteller erlebt, sodass mit den Händlern über Provisionen verhandelt werden konnte und ein persönliches Verhältnis für die zukünftige Zusammenarbeit hergestellt wurde.

Vertrauensprobleme nicht nur durch transparenten Content, sondern auch mit einem professionellen Interface entgegenwirken: 2015 wird die Webseite mit neuem Design veröffentlicht.

Im Sommer 2015 fand mit einer enormen Weiterentwicklung des chinesischen Marktes auch ein Relaunch der Webseite statt. Statt Klon-Produkten kamen eigenständige und innovative Produkte auf den Markt und die Sprachbarriere wurde durch zahlreiche Übersetzungen erleichtert. Die größten Probleme liegen dennoch weiterhin im mangelnden Vertrauen der User an die unbekannten Onlineshops und Vorurteile zu reiner Plagiatproduktion der Hersteller. So sind zwar viele interessiert, was die chinesischen Produkte können, die Konversionsrate allerdings sehr niedrig.

An diesem Vertrauensproblem versucht chinahandys.net anzusetzen, indem sie alle Geräte und Shops selber testen und über Versand und Zahlungsarten aufklären. Dabei wird auf Aktualität und interessante Nischen geachtet. „Wir sind immer auf dem aktuellsten Stand, da wir neue Produkte, Informationen und Vorschläge zugeschickt bekommen“, erklärt Tabellion. Empfehlungen und Bestenlisten bleiben dabei durch reines Affiliate-Marketing authentisch und vor allem unabhängig.

Nicht nur Klickzahlen, sondern auch Verweildauer steigern: Community Management als Wachstumsbasis.

Ende 2016 erlebte chinahandys.net einen Medienhype über diverse Fernsehsender und Titelstories. In Vergleichsberichten und Tests von chinesischen Shops wurden sie erwähnt ohne selber davon zu wissen. Auch dieser Höhepunkt kam für die Gründer unerwartet, doch das wachsende Interesse am chinesischen Markt und kostengünstigeren Alternativen für Markenprodukte sorgte für Neugierde, die zu ihrer Seite führte.

Das Team habe sich seitdem um viele Bereiche erweitert und wird remote über Kommunikationstools organisiert, so Tabellion. Es gibt inzwischen ein Übersetzungsteam, Redaktion, Serveradmins, SEO, Grafikdesign und Webentwicklung. Entscheidend ist jedoch nicht die interne Entwicklung, sondern vor allem die große Community, die sich auf der Online-Plattform aufgebaut hat. Obwohl eine massive Anzahl an Kommentaren und Anfragen auch immense Moderatorenarbeit und Qualitätssicherung bedeutet, findet man anstatt Spam unzählige Kommentare nicht nur an das Team, sondern auch gegenseitige Hilfe der User und Berichte eigener Erfahrungen. Um das zu unterstützen hilft nicht nur die eigene Vernarrtheit des Teams in technische Entwicklungen, die Glaubwürdigkeit in den eigenen Inhalten ausstrahlt, sondern auch Belohnungen, die Nutzer durch Aktivität und hilfreiche Beiträge erlangen können sowie Gewinnspiele von Testprodukten.

Entschlossen in die Zukunft: Tim Tabellion hat noch viele Ideen, die er mit chinahandys.net umsetzen will.

Nach dem Erreichen von 1.000.000 Besuchern der Webseite im Monat und der GmbH-Gründung sind jedoch längst nicht alle Ziele erreicht. Momentan wird an der Internationalisierung des Unternehmens gearbeitet, was nicht nur eine sprachliche Herausforderung darstellt, sondern auch neue Marketing-Strategien verlangt. Außerdem wird die eigene Produktpalette zunehmend erweitert, sodass nicht nur Gadgets, Drohnen und Action-Cams getestet werden, sondern auch Smarthome-Produkte wiederzufinden sind.

In der Zukunft würde sich Tabellion einen eigenen Onlineshop, der die chinesischen Produkte selber vertreibt und Service nach deutschen Standards anbietet, erhoffen. Dieses Ziel gestaltet sich momentan allerdings noch schwierig aufgrund der EU-Richtlinien und dem nötigen Investment für ein solches Projekt.

Tabellion und sein Team machen den großen Unternehmen jedoch schon jetzt durch ihre Arbeit deutlich, dass sie nicht alleine auf dem Markt sind.

Chinahandys.net im Porträt

ChinaHandys.net vergleicht und testet unabhängig China Handys. Auf der Webseite werden umfassende Kaufberatung und Ratgeber angeboten, um ein passendes Handy zu finden und Geld zu sparen. Außerdem findet man Informationen zu den neuesten Smartphones aus China und Bestenlisten verschiedener Kategorien. Die Gründer von Chinahandys.net sagen über sich selbst: „Wir haben uns das Ziel gesetzt, unseren Besuchern einen Überblick über die besten Handys aus China zu verschaffen!“

Link: www.chinahandys.net

Autor: Selina Helmlinger

Fotos: Jair Rojas