Nach der Einstellung des Linienflugbetriebs der Cirrus Airlines im Januar 2012 stand der Flughafen Mannheim plötzlich ohne Linienverkehr da. Zahlreiche Versuche, einen neuen Partner für den Regelbetrieb an den Flughafen zu locken, waren nicht erfolgreich. Daraufhin nahm die Geschäftsleitung des Flughafens die Sache gemeinsam mit zehn Unternehmen aus der Metropolregion Rhein-Neckar und der Stadt Mannheim selbst in die Hand und die Rhein-Neckar Air (RNA) war geboren. Wir trafen Co-Geschäftsführer Dirk Eggert zum Gespräch über die Entstehung der RNA, die Entwicklung der vergangenen Jahre und die – aus seiner Sicht unberechtigte – Kritik am Flughafen Mannheim.

V.l.n.r.: Die ku.bus-Redakteure Birka Wolff und Wolf Müller-Christmann, sowie Ansgar Gerken (Co-Geschäftsführer der Rhein-Neckar Air GmbH) lauschen gebannt, während Dirk Eggert über die Gründungsgeschichte der Rhein-Neckar Air berichtet

Dirk Eggert hat die Entwicklung der Rhein-Neckar Air GmbH von Beginn an mitgestaltet. Er selbst ist bereits seit seinem 14. Lebensjahr fliegerisch tätig – wenn auch nur privat. Nachdem er beruflich zunächst in der Reisebranche beheimatet war, verschlug es ihn vor 18 Jahren als Fluglotse an den Flughafen Mannheim. Im Jahr 2012 sah sich Eggert schließlich – nun in der Position als Co-Geschäftsführer – einer großen Herausforderung gegenüber: Nachdem Cirrus Airlines den Flugbetrieb einstellen musste, brach eine der Hauptertragssäulen unvermittelt weg. Rund zwei Jahre fand vom Flughafen Mannheim infolgedessen kein geregelter Linienverkehr statt. Nicht nur für den Flughafen selbst, sowie den größten Anteilseigner – die Stadt Mannheim – eine überaus unbefriedigende Situation. Auch für die lokale Wirtschaft stellte diese Situation ein großes Ärgernis dar. Schließlich bedeutete das Ausweichen auf andere Flughäfen für viele Geschäftsreisende aus der Region einen enormen, zeitlichen Mehraufwand.

Aus der Not eine Tugend gemacht: Seit März 2014 werden die Dornier-Maschinen der Rhein-Neckar Air auf dem Mannheimer Rollfeld eingewiesen

So kam es unter Vermittlung der regionalen Industrie- und Handelskammer zu einer Kooperation zwischen der Stadt Mannheim, des Flughafens Mannheim und zehn Unternehmen aus der Region. Gemeinsam wurde ein Konzept entwickelt, an dessen Ende die Gründung der Rhein-Neckar Air GmbH stand. Im März 2014 begann schließlich der Flugbetrieb zwischen Mannheim und Berlin. Rund ein halbes Jahr später, im Oktober 2014, folgte die Verbindung Mannheim – Hamburg. Inzwischen bietet die Rhein-Neckar Air zudem in der Sommersaison Linienflüge von der Quadratestadt nach Sylt an. Und auch auf den anderen beiden Strecken hat sich die Flugfrequenz auf bis zu drei Flüge am Tag (Mannheim – Berlin) erhöht. Die Strecke Nürnberg – Sylt ist hingegen nach einer nur mäßig erfolgreichen Testphase im Sommer dieses Jahres bereits wiedereingestellt worden. Insgesamt blickt er dennoch stolz auf die „sehr positive Entwicklung“ der letzten Jahre zurück. Die Rhein-Neckar Air sei ein „schönes Beispiel, wie man gemeinsam mit Unternehmen aus der Metropolregion so ein Projekt stemmen kann“. Auch von der Industrie- und Handelskammer gibt es viel Lob für das regionale Vorzeigeprojekt Rhein-Neckar Air.

Charterverkehr als „perfekte Ergänzung“ zum Regelbetrieb: Auch der (lokale) Spitzensport nutzt das Angebot der Rhein-Neckar Air, um komfortabel zu Auswärtsspielen zu reisen

Hatte Eggert die Geschäftsführung der Rhein-Neckar Air anfangs noch zusätzlich zu seiner Tätigkeit für den Flughafen Mannheim „nebenbei“ übernommen, wurde Ansgar Gerken im Frühjahr 2016 als hauptamtlicher Geschäftsführer ins Team geholt, um dem Wachstum der Rhein Neckar-Air gerecht zu werden. Dieses Wachstum hat die Fluggesellschaft auch einem zweiten Standbein zu verdanken: Zusätzlich zum Linienverkehr chartern insbesondere die Fußball-, Handball- und Eishockeymannschaften aus der Region regelmäßig Direktflüge zu Auswärtsspielen.

„Mit einigen Fußballbundesligisten“ bestehen zudem feste Kooperationsverträge, erläutert Dirk Eggert. So hat sich die Mannheimer Airline auch für Gastvereine, die am Wochenende in der Metropolregion antreten müssen, als attraktive Option etabliert. Als Beispiel nennt er den FC Schalke 04, den die Rhein-Neckar Air erst kürzlich zum Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim befördert hat. Da der Linienverkehr der Rhein-Neckar Air am Wochenende ohnehin ruhe, seien solche Flüge eine „perfekte Ergänzung“ zur Auslastung der Kapazitäten. Darüber hinaus gibt es von Seiten der Rhein-Neckar Air momentan allerdings keine Bestrebungen, das bestehende Angebot zu erweitern. Zunächst steht die Konsolidierung des bestehenden Betriebs im Vordergrund. Die Aufnahme weiterer Strecken erfordere laut Eggert Investitionen in zusätzliche Maschinen, die zum aktuellen Zeitpunkt (noch) nicht sinnvoll seien.

Unsicherster Flughafen? „Sie rasen ja auch nicht mit einem Formel 1-Boulliden durch ein enges Parkhaus“

Trotz der Erfolge der letzten Jahre ist Dirk Eggert vor allem Eines ein Dorn im Auge: Die ständige Kritik am Flughafen Mannheim, die er auch aufgrund der positiven Resonanz seiner Kunden nicht nachvollziehen kann. So hat beispielsweise die Pilotengewerkschaft „Vereinigung Cockpit“ den Flughafen Mannheim erst kürzlich erneut zum „unsichersten Flughafen Deutschlands“ gekürt. Diesem Urteil tritt Eggert vehement entgegen. Alle europäischen Sicherheitsstandards „selbstverständlich“ auch in Mannheim erfüllt. „Natürlich können wir hier nicht mit einem Airbus fliegen“, schränkt er zwar ein. Doch dies sei auch gar nicht der Anspruch des Mannheimer Flughafens. Für kleinere Maschinen – die Rhein-Neckar Air nutzt Maschinen des Typs Dornier 328 für maximal 33 Passagiere – lägen die Sicherheitsstandards am Flughafen Mannheim weit über den Mindestanforderungen. So moniert Dirk Eggert, dass im Falle des Mannheimer Flughafens Äpfel mit Birnen verglichen würden. „Sie rasen ja auch nicht mit einem Formel 1-Boulliden durch ein enges Parkhaus, sondern fahren eher mit einem Fiat 500“, bemüht er einen Vergleich aus der Welt des Motorsports. Und aufgrund der kurzen Dienstwege, hebt Dirk Eggert hervor, sei es in Mannheim auch viel einfacher, auf Anregungen der Piloten einzugehen – ein Standortvorteil, der auch vom Flugpersonal der Rhein-Neckar Air sehr geschätzt werde.

Das große Plus der Rhein-Neckar Air: Komfort und kurze Wege. Direkt nach der Landung wird mit dem Entladen des Gepäcks begonnen …

Auch für die Kunden spiegeln sich die kurzen Wege am Flughafen Mannheim in deutlich erhöhtem Komfort wider. Nach der Landung dauere es „keine 15 Minuten“ bis die Passagiere der Rhein-Neckar Air ihr Gepäck erhalten und das Taxi zum Büro besteigen könnten, erklärt Dirk Eggert. „Das gibt es sonst nirgendwo.“ Gerade für Berufspendler ist dies ein großer Luxus. Der Fokus der Rhein-Neckar Air liegt daher bewusst auf den Faktoren Komfort und Zeit, wie auch das Firmenmotto „Fliegen, wie privat“ unterstreicht. Etwas Anderes sei für die Mannheimer Fluggesellschaft auch gar nicht zu stemmen. Mit einer Flotte von Kleinflugzeugen ließe sich schlichtweg „keine Billig-Airline betreiben“, da die Möglichkeiten der Skalierung schlichtweg nicht gegeben sind. Allerdings, so merkt Dirk Eggert an, lohne sich das Fliegen mit der Rhein-Neckar Air für die überwiegend aus Geschäftsreisenden bestehende Klientel auch finanziell, „wenn man den Zeitgewinn in Geld umrechnet“. Ein Stammkunde der Gesellschaft stehe beispielsweise morgens um 6 Uhr in Schwetzingen auf und säße bereits um 9 Uhr an seinem Schreibtisch in Hamburg – eine Reise, die von anderen Abflughäfen kaum möglich wäre.

… sodass die Fluggäste bereits „keine 15 Minuten“ nach der Landung samt Gepäck im Taxi sitzen

Und so sieht sich auch Dirk Eggert am „kleinen, aber feinen“ Flughafen Mannheim genau an der richtigen Stelle. Trotz etwaiger Angebote des großen Nachbarn aus der Mainmetropole hat er nie ernsthaft in Erwägung gezogen, seine Zelte in der Quadratestadt abzubrechen. Zum einen fühle er sich „in Mannheim und der Region“ tief verwurzelt. Zum anderen sei auch die Arbeit am Flughafen Mannheim für ihn reizvoller, als in Frankfurt. Während die Arbeit an einem Großflughafen zwangsläufig in verschiedene Abteilungen aufgeteilt werde müsse, erfreut sich Eggert in Mannheim an der „Vielschichtigkeit seiner Aufgaben“. Für die Bewältigung ebendieser Aufgaben wünschen wir Dirk Eggert und seinem Team auch in Zukunft alles Gute und freuen uns darauf, die Entwicklung der Rhein-Neckar Air auch weiterhin zu verfolgen.

Rhein-Neckar Air im Porträt

Die Rhein-Neckar Air (RNA) ist die einzige deutsche Regional-Airline. Sie wurde auf Basis einer Kooperation zwischen der Stadt Mannheim, dem Flughafen Mannheim und zehn Unternehmen aus der Region gegründet und nahm 2014 den Flugbetrieb auf. Die RNA bietet die schnellsten Verbindungen zwischen dem Cityairport Mannheim, den Metropolen Hamburg und Berlin, sowie der Nordseeinsel Sylt. Das besondere Flugerlebnis mit Herz, der hohe Komfort und die kurzen Wege am Mannheimer Flughafen machen die RNA zur ersten Wahl für Geschäfts- und Privatkunden aus der Region Rhein-Neckar.

Link: http://flyrna.com

Autor: Tobias Voß

Fotos: Sascha Hauk