Lea-Sophie Cramer, die Gründerin und Geschäftsführerin von Amorelie, bietet uns einen Rückblick auf den Q-Summit 2017 in Mannheim. Als eine der erfolgreichsten Jung-Unternehmerinnen Deutschlands präsentierte sie bei der von Studenten organisierten Entrepreneurship & Innovation Konferenz den Werdegang von Amorelie, dem von ihr gegründeten Onlineshop für Erotik-Lifestyle-Artikel. Wie sie die Veranstaltung in den Räumen ihrer Alma Mater empfand und wie ihre persönliche Vision für Amorelie ist, erfahren Sie in diesem Interview.

Der Q-Summit 2017 fand in den Räumen der Universität Mannheim statt, eine der renomiertesten Universitäten Deutschlands

Wie fandest du den Q-Summit rückblickend?

Q-Summit ist ein Projekt, von denen es noch viele weitere geben sollte: Eine Veranstaltung, von der Studenten, Start Ups, Investoren und etablierte Unternehmen gleichermaßen profitieren können. Tickets für Unternehmenskonferenzen sind oft wahnsinnig teuer, kaum für Studenten erschwinglich und so eher einem sehr ausgewählten Publikum zugänglich. Auch Berufseinsteigern und jungen Unternehmen entgeht so oft die Chance, sich zu vernetzen und neue Businesskontakte zu knüpfen. Beim Q-Summit erhalten sie die Chance, von wirklich inspirierenden Personen aus der Gründerszene zu lernen – ein absolut unterstützenswertes Projekt!

Welche Botschaften wolltest du auf jeden Fall an die Studenten im Rahmen deiner Keynote weitergeben?

Für mich stand im Fokus, möglichst praxisnahe Erfahrungswerte weiterzugeben und nicht in schwer greifbaren Unternehmer-Floskeln zu sprechen. Ich finde es wichtig, einen guten Mix aus inspirierenden und kritischen Eindrücken zu vermitteln, die man selbst wirklich erlebt hat. Ich wollte aufzeigen wie der Weg vom Student bis zum Unternehmensgründer funktionieren kann, welche Meilensteine es gab und was man aus diesen lernen konnte.

Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer spricht über ihr Unternehmen

Welche Verbindung hast du persönlich zu Mannheim und der Rhein-Neckar Region?

Ich habe in Mannheim mein Bachelor-Studium absolviert und die Studienzeit dort sehr genossen. Die Region und speziell Mannheim sind nicht “hübsch” im klassischen Sinne, sondern haben ihren ganz eigenen Charme – jeder der dort lebt, weiß was ich meine. Durch den super Ruf der Universität treffen sich dort aus allen möglichen Ecken Deutschlands bzw. Europas die Studenten und es entstehen Freundschaften und Netzwerke fürs Leben. Das ist das Tollste, was ich aus Mannheim mitgenommen habe und wofür ich extrem dankbar bin.

Die Programmpunkte des Q-Summit 2017 waren über verschiedene Locations auf dem Universitätsgelände verteilt

Was kannst du Gründungsinteressierten-Studentinnen mit auf dem Weg geben?

Der größte Fehler, den viele zukünftige Gründer/-innen machen, ist zu denken, dass ihre Geschäftsidee unbedingt geheim bleiben sollte. In meinen Augen sollte das Gegenteil der Fall sein: Redet mit so vielen Freunden, Unternehmern und Investoren wie möglich über eure Idee und holt deren Kritiken und Ratschläge ein. Pitcht euren Businessplan bei Venture Capital Unternehmen und startet offen in die Diskussion mit anderen Gründern. Lernt negatives Feedback zu schätzen, denn nur so erhält man ein Gespür für die Dinge, an denen es eurem Start Up noch mangelt und die ihr optimieren müsst.

In spannenden Workshops konnten die Teilnehmer ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden

Du hattest einen gut bezahlten Job bevor du Amorelie gegründet hast: Was war deine Motivation mit Polly Amorelie aufzubauen?

Die Idee zu AMORELIE entwickelte sich aus verschiedenen Erlebnissen. Zum einen gab es diesen riesigen Hype um Sex & the City und die 50 Shades of Grey-Bücher, durch die uns ein offenerer Umgang mit dem Thema Liebesleben in der Gesellschaft auffiel. Zur gleichen Zeit stürzte die Beate Uhse Aktie in den Keller. Der Design-Online-Shop Fab.com verkaufte Luxus-Vibratoren als das top selling product – offensichtlich lag das auch an dem stylischen Shoppingumfeld. So kamen wir ins Grübeln: Scheinbar fehlte ein Ort, an dem man sich in inspirierender Atmosphäre und diskret online über Liebesspielzeug informieren konnte.

Bei einem Pitch-Battle hatten Gründer die Möglichkeit, ihre Idee vor einem großen Publikum vorzustellen

Auf was hast du persönlich immer geachtet beim Aufbau deines Amorelie-Teams?

Uns war anfangs vor allem wichtig, ein Team aufzubauen, welches mit ebenso viel Enthusiasmus für unsere Vision brennt, wie Polly und ich. Du hast so viele Pläne und Projekte, die du aufbauen möchtest und viele Dinge laufen parallel. Gut ist es dann, ein Team zu haben, welches über den eigenen Tellerrand hinausschauen und generalistisch arbeiten kann, Dinge anpackt. Je mehr Learning-Effekte du im Laufe der Zeit mit dem Unternehmen sammelst, umso professionalisierter werden auch dessen Prozesse und umso spezialisierter kannst du dein Team einsetzen. Zu diesem Zeitpunkt setzt du dir ein Team aus Spezialisten zusammen.

Unternehmensvertreter und Studenten hatten viele Gelegenheiten, sich zu vernetzen

Welche Themen liegen dir am Herzen? Für welche Themen setzt du dich persönlich sehr ein?

Ich finde es super wichtig, noch mehr Frauen für das eigene Start Up und die Branche zu inspirieren. Leider gibt es in der Tech-Branche noch viel zu wenig Unternehmerfrauen (ca. 13% in Deutschland). Frauen gehen oft risikobewusster an das eigene Unternehmen heran, wodurch ihnen oft der Mut zum Gründen verloren geht. Daher nutze ich jede Gelegenheit auf Events, Messen, Kongressen oder Uni-Symposien, Vorträge darüber zu halten und Frauen Mut zu zusprechen, um sie zu animieren über ihren Schatten zu springen und ihre grandiosen Ideen in Taten umzusetzen. Zudem ist mir die Unternehmenskultur extrem wichtig. Wir verbringen alle so viel Zeit mit der Arbeit, sodass diese unbedingt Spaß machen sollte und einem Anerkennung und Fröhlichkeit bringen muss. Das ist auch unsere Aufgabe als Arbeitgeber. Ich möchte keine Leute, die über “Work-Life” Balance nachdenken, sondern über “Life-Balance”, da es nicht um Arbeit oder Leben geht, denn die Arbeit ist ein – hoffentlich sehr positiver – Bestandteil deines Lebens. Wenn dem nicht so ist – wechsel den Job oder deine Berufung!

Vervollständige den Satz: In fünf Jahren …

möchte ich, dass AMORELIE zu der größten europäischen Lifestyle Marke für intime und intensive Momente (mit deinem Partner) geworden ist.

 

Wir bedanken uns bei Lea-Sophie Cramer für das Interview. Wir haben uns sehr über den Austausch mit einer so erfolgreichen, voller Tatendrang steckenden Gründerin gefreut. Zudem wünschen wir ihr sowie ihrem Unternehmen Amorelie auch in Zukunft viel Erfolg.

Autor: Manuel Schurr

Fotos: Q-Summit