Wir haben gerade das Auto geparkt und laufen zu unserem nächsten Termin. Auffällig viele Fahrradfahrer kreuzen unseren Weg. Auch Anzahl und Größe der Fahrradwege lassen jeden Mannheimer Radler vor Neid erblassen. Wir befinden uns in einer der Fahrradstädte Deutschlands und wohl der schönsten Stadt in unserer Metropolregion: Heidelberg. ku.bus trifft sich mit Coboc, einem der ambitioniertesten und hoffnungsvollsten Start-ups im Bereich Hybridtechnologie. Das Coboc-Team hat sich, passend zu Heidelberg, auf E-Bikes spezialisiert – und das mit durchschlagendem Erfolg. Aber eins nach dem anderen. Um das Unternehmen Coboc zu verstehen und genauer zu beleuchten, müssen wir ein paar Jahre in die Vergangenheit zurückgehen.

Letztes Finetuning vor der Fertigstellung des neuen Coboc Bikes

Pius Warken und David Horsch studieren gemeinsam Physik an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und teilen ein großes Hobby: Das Radfahren. Sowohl in der Freizeit beim Downhill, als auch zum Geldverdienen als Fahrradkuriere: David und Pius treten gerne in die Pedale. Die Affinität zur Technik und die Begeisterung, eine Schnittstelle zwischen dem Studium, dem Hobby und der Selbstständigkeit herzustellen, treibt das Team an. „In der Situation sind viele. Nach dem Studium orientiert man sich, was man machen will, und dann wird das Geld irgendwann knapp“, erklärt Pius. David, der vor seiner Zeit bei Coboc unter anderem am KIT in Karlsruhe am Lehrstuhl für Hybridelektronische Fahrzeuge tätig war, unterstreicht dies nochmal: Er sei viel gereist und habe Erfahrung und Eindrücke gesammelt, aber irgendwann müsse man sich doch dem Ernst des Lebens stellen.

Nun war es soweit. Zwei Fahrradverrückte fingen an, in einem Hinterhof zwischen Gipsplatten und einem Kohleofen ihr Know-How in ein Produkt zu packen. Wie in allen elektronisch betriebenen Fahrzeugen stellt das Antriebssystem als Ganzes – Akku, Motor, Sensorik und Software –  beim E-Bike eine sehr große Herausforderung dar und den Jungs gelang es, eine individuelle Lösung zu generieren. „Das war eine spannende Zeit, in diesem Hinterhofverschlag zwischen verschiedenen Proberäumen und illegalen Konzerten so ein technisch anspruchsvolles Produkt zu entwickeln“. Aber es sollte klappen… Und wie…!

Annalena Horsch bildet gemeinsam mit Pius Warken, David Horsch  und Anton Trojosky die Geschäftsführung der Coboc GmbH & Co. KG

Ende des Jahres 2013 meldeten die beiden ihr „halbfertiges“ E-Bike bei der Eurobike, einer der renommiertesten Fachmessen der Rad-Szene, an, und gewannen auf Anhieb eine Auszeichnung. Aber was nun? Die Aufmerksamkeit und das Interesse an den Bikes waren schlagartig auf ein Vielfaches gestiegen. Allerdings würde die bloße Fahrradbegeisterung und das technische Wissen wohl nicht ausreichen, um den nächsten Schritt ins Unternehmertum gehen zu können. Das Team brauchte jemanden, der sich mit Betriebszahlen auskennt, der im Controlling und bestenfalls auch im Marketing und Vertrieb sein Handwerk versteht. Wie es der Zufall so will, ist Annalena genau zu diesem Zeitpunkt mit dem Studium fertig und hat auch bereits Einiges an Start-up Erfahrung sammeln können. Die toughe BWLerin hat an der WHU studiert und ist rein zufällig noch Davids Nichte. Also was lag näher, als einen Einstieg zu wagen.

Millimeterarbeit in der Coboc-Werkstatt in Heidelberg

Das Team stand und der Zeitpunkt war günstig: E-Bikes hatten eher den Ruf des Rentner-Fortbewegungsmittels und wurden in klobigen Designs gebaut. Dazu brachte so ein konventionelles E-Bike gerne mal 30 bis 40 Kilogramm Eigengewicht auf die Waage. Wenn man dann noch etwas auf die Preise schielen musste, wurde schnell klar, dass dieses Produkt nicht nach Heidelberg und schon gar nicht zu Annalena, David und Pius passte. Die beiden Männer entwickelten ein Bike in purem Design, kombiniert mit einem Antrieb, der es in sich hat. Annalena stellte erste Zahlen des Unternehmens auf, um eine Basis für ein gesundes Wachstum zu legen. Die Fertigung und der Vertrieb kamen so langsam ins Rollen. Händlertouren durch ganz Deutschland mit Übernachtungen bei Freunden auf dem Sofa („…der in München hatte die härteste Matratze der Welt…“) gehörten ab diesem Zeitpunkt zum Geschäft. Eine sehr anstrengende und intensive Zeit, wie alle drei berichten. Aber auch hier entschädigt der Erfolg bald auch für die härteste Matratze. Coboc schafft den Markteintritt und die Räder fanden und finden reißenden Absatz. Selbst Jürgen Vogel zählt Coboc schon seit drei Jahren zu den begeisterten Coboc Kunden.

Offizielles Image-Video für das Coboc SEVEN Villette vor der Kulisse Mannheims

In der Entwicklung seit 2014 spielt die Rhein-Neckar-Region nicht nur als Heimat und „Wohlfühlplatz“ für die Coboc Familie eine bedeutende Rolle. Start-up-Förderungen in Form von Innovationsgutscheinen oder auch der enge Kontakt zur IHK Rhein Neckar sind nur einige Beispiele, die von unseren Interviewpartnern als großes Gut der Region genannt werden. „Alles was wir brauchten, war in einem Umkreis von maximal 100 Kilometern verfügbar. Das war für die damaligen Verhältnisse optimal“, zeigt uns Pius noch weitere Stärken der Region in Bezug auf sein Unternehmen auf. Allerdings kommt mit dem Wachstum der kleinen Firma auf mittlerweile 15 Personen und einem Absatz an E-Bikes, der im sich im oberen dreistelligen Bereich bewegt, der Bedarf nach neuem Input. Coboc möchte und muss sich in diesem harten Wettbewerb weiterentwickeln, ohne dabei seine gesunden Strukturen zu verlieren. David steigt begeistert in dieses Thema mit ein: „Die große Chance eines eigenen Unternehmens ist, selbst lernen zu dürfen. Die Dinge auf seine eigene Art und Weise zu machen um dann zu sehen, was funktioniert und was nicht. Festgefahrene Strukturen gibt es bei uns nicht. Wir möchten den Blick offen halten und uns auf gesunde, dynamische Art und Weise etablieren.“ Zu diesem Prozess der Etablierung gehört es auch, sich mit neuen Partnern zusammenzuschließen. Produktion und Innovation sind nicht mehr allein in Deutschland, geschweige denn in Heidelberg zu bewerkstelligen. Reisen nach Taiwan, der Radfertigungsnation überhaupt, stehen vor allem für David immer häufiger im Terminkalender.

Kleines aber feines Detail: die in den Rahmen eingearbeiteten Rückleuchten der Coboc Bikes

Wer das Team nach seinen nächsten Projekten und Zielsetzungen fragt, dem wird klar, dass Coboc nicht nur bezüglich des Umweltaspekts perfekt in die Definition der Nachhaltigkeit passt. Wohl überlegte Schritte mit großer Verantwortung für die Zukunft sind allen immens wichtig. Auch der Einstieg eines Investors wird nicht kategorisch ausgeschlossen, aber es muss einfach passen. Nach ein paar Andeutungen in Bezug auf Produktpalette, Design und neue Features der zugehörigen Coboc-App werden wir von Pius schnell wieder zum Wichtigsten überhaupt zurückgeholt: Dem Fahrspaß. Und davon gibt es reichlich. Mit seinen knapp 15 Kilogramm ist unser Testbike eine kleine Rakete. Mag sein, dass es wie ein abgedroschener Werbeslogan klingt, aber eine Testfahrt ist für jeden Radfan ein Muss. Durch das puristische Design wird auf den ersten Blick nicht unbedingt klar, welche Power im Aluminiumrahmen versteckt ist, was zu großen Augen bei anderen Verkehrsteilnehmern führt. Kurzum: Wir sind begeistert! Nicht nur vom Produkt, sondern vom ganzen Gründergeist, den dieses Unternehmen ausstrahlt und den es uns ab der ersten Sekunde vermittelt hat.

Wir wünschen der Coboc Family nur das Beste für die Zukunft, wenig Stürze an den gemeinsamen Downhill Wednesdays und bedanken uns herzlich für ein spannendes und erfrischendes Interview.

Herzstück eines jeden Cobocs: die Battery Packs für den E-Antrieb

Coboc GmbH & Co. KG im Profil

Die Coboc GmbH & Co. KG mit Firmensitz in Heidelberg entwickelt, produziert und verkauft Avantgarde-Elektrofahrzeuge für den stark wachsenden E-Mobility-Markt. Mit außergewöhnlichem Design schafft das 2011 gegründete Unternehmen bei seinen E-Bikes den Spagat zwischen komplexer Technologie und simpler Bedienung, ohne dabei den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren: die Freude am Fahren. Dabei bildet die breite und interdisziplinäre Technologiekompetenz das Fundament von Coboc. Nicht nur die Konstruktion und der Fahrzeugbau, auch sämtliche elektrische Antriebskomponenten und die Software sind Eigenentwicklungen. Mit der nahtlosen Integration des Antriebs hat Coboc mehrere Preise gewonnen, unter anderem sogar zweimal die wichtigste Auszeichnung der Fahrradbranche, den Eurobike Gold Award. Leidenschaft für das Produkt, Nachhaltigkeit und Fertigungstiefe machen die Coboc-Flotte zu einem bemerkenswerten und technisch ausgereiften Meisterstück, das derzeit auf dem Markt seinesgleichen sucht.

Um das starke Wachstum der letzten Jahre weiter voranzutreiben, benötigt das nunmehr 15-köpfige Team Verstärkung in den Bereichen Produktionsmanagement, Qualitätssicherung und im Vertriebsinnendienst. Boc? Dann gleich unter jobs@coboc.biz bei Annalena melden.

Autor: Mathias Lenz

Fotos: Julius Henn