Andreas Dietrich und Dennis Fix verstehen ihr Handwerk, der eine das Bierbrauen, der andere den Vertrieb. Bei Andi fing es schon direkt nach dem Zivildienst an, als er sich von einer kleinen Karlsruher Brauerei zum Brauermälzer ausbilden ließ. Einige Gesellenjahre folgten, bevor er nach einem Jahr Vollzeitschule dann seinen Meisterbrief in der Hand hielt und nach Oggersheim zur regionalen Privatbrauerei Meier wechselte. Heute ist er begeisterter Braumeister und Miteigentümer der pfälzischen Mikrobrauerei Haardt Bier aus Bad Dürkheim. Er und sein Geschäftspartner Dennis Fix genießen es, immer wieder neuartige und originelle Bierkreationen zu schaffen, Hopfen, Malz und Wasser neu zu kombinieren. Fix hat in der Zeit vor Haardt „alles verkauft, was verkaufbar ist“, so seine eigenen Worte, von Versicherungen über Captain Morgan Rum bis hin zu Nespresso.

Die Macher von Haardt (von links): Dennix Fix und Andreas Dietrich

Dann der Wendepunkt: Seine Schwester möchte entweder Brauerin oder Winzerin werden. Es siegt die Brauerei und Dennis lebt die Ausbildung mit, indem er sie immer wieder bei chemischen und physikalischen Fragestellungen in der Ausbildung als auch bei der Labelgestaltung für erste Produkte unterstützt. Am Ende weiß er so viel über das Bierbrauen, dass er sogar nebenberuflich selbst ein Buch über alles rund um das Thema Bier verfasst und bei Firmenevents Beer Tastings anbietet.

Über das Kennen lernen der beiden sagt Fix:  „Das war ein witziger Zufall. Meine Schwester hat bei Andi vor ihrer Ausbildung ein Praktikum absolviert. Als ich dann mal eine Anlaufstelle fürs Bierzwickeln, dem Entnehmen einer Bierprobe aus einem Reifetank, gebraucht habe, was ich im Anschluss Kalthopfen wollte, gingen wir gemeinsam zu Andi nach Oggersheim“. Ende 2015 kam dann Haardt ins Rollen, als Dietrich neben seinem Job im Keller seiner Mutter ein mit „Hopfen voll gestopftes Pils“ entwickelte. Er wollte mit den Bierzutaten experimentieren und „kein Einheitsgebräu“ herstellen wie die vielen „Rettet den Regenwald mit einem Kistenkauf“- oder „Formel 1“- Biere der Welt.

Er sieht sich als Handwerker und bewundert Menschen wie Oliver Wesseloh, ein Pionier der Craft Beer-Szene, die sich schon früh entgegen dem Trend der großen Brauereien entwickelt haben und einfach ihr „eigenes Ding gemacht haben“. Wesseloh hat schon vor zehn Jahren angefangen, das zu brauen, was heute allgemein als Craft Beer verstanden wird. Auf den Biermessen haben die Vertreter der großen Brauereien damals die Nase gerümpft, als sie seinen Gerstensaft verkostet haben. „Wem sollen wir das denn verkaufen?“, so zitiert Dietrich die konservative Denke der damaligen Vertriebsleiter. „Aber Wesseloh braute trotzdem weiter. So viel Mut muss man erst mal haben.“

Ob die aktuelle Craft Beer-Bewegung denn nicht mehr ein Hype als ein bleibendes Phänomen sei, wollen wir von Dietrich und Fix wissen. „Natürlich profitieren wir aktuell sehr stark von der Gesamtbewegung Craft. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir hier nicht von Hype oder Überhitzung sprechen sollten, sondern eher von einer Normalisierung der Bierwahrnehmung“, so deren Antwort. Früher noch durch Redewendungen wie „Bier auf Wein, das lass sein“ als minderwertig zu dem mit mehr gesellschaftlichem Status verknüpften Wein abgestempelt, spiele Craft Beer heute auf der ganzen Geschmacksklaviatur und brauche sich überhaupt nicht hinter Wein zu verstecken. „Was man alles aus Craft Beer herausschmecken kann, das ist Wahnsinn!“, ruft Dietrich enthusiastisch. Obwohl das Bier heute schon sehr vielfältig ist, möchte man sich gar nicht ausmalen, welche Geschmacksnoten ohne das deutsche Reinheitsgebot möglich wären.

Mälzen, Schroten, Maischen, Läutern, Kochen, Klären, Kühlen, Gären und Lagern – Dietrich demonstriert die Arbeit am Bottich

„Über das Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 könnten wir stundenlang philosophieren“, ereifert sich Dietrich gestikulierend. „Das war ein Marketing-Gag. Der Herzog hatte ein Monopol auf Weizen und zog seinen Bürgern dafür das Geld aus der Tasche. Mittlerweile brauen wir nach dem vorläufigen Biergesetz von 1993. Unerwünschte Gerbstoffe werden mit Hilfe des technischen Hilfsstoffs Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) abgefiltert. Allerdings kann mir niemand erzählen, dass die Chemie komplett wegfiltriert wird. Natürliche Zusatzstoffe, wie beispielsweise Kräuter oder Früchte, sind allerdings verboten“, konstatiert Dietrich. „Ich wäre viel glücklicher, wenn ich natürliche Zutaten beigeben dürfte. Das führt dann zu solchen Auswüchsen, dass deutsche Brauereien an der tschechischen Grenze in der Tschechischen Republik ihr Bier produzieren und dann reimportieren, um das Biergesetz zu umgehen. Und wollt ihr das Absurdeste hören? Gerstenmalz darf im Vergleich zu Dinkel-, Hafer- oder Roggenmalz nach dem Reinheitsgebot nur für untergäriges Bier verwendet werden. Keiner kann dies vernünftig erklären. Es macht einfach keinen Sinn. Und deshalb ist es auch nachvollziehbar, dass die UNESCO den Antrag auf Weltkulturerbe für das Reinheitsgebot abgelehnt hat.“

Dietrich bereitet das Zwickeln an einem Lagertank vor

Neben der Wohltat, die die Craft Beer-Bewegung der Braukunst erweist, bemerkt Dietrich auch Schattenseiten. „Mir kommt die Galle hoch, wenn sich Braumeister über die Definition von Craft Beer in die Haare kriegen. Wir sind früher alle der Maxime ‚Zusammen ist man stark‘ gefolgt. Es war ein enormer Zusammenhalt unter den Braumeistern zu spüren. Wenn Du in Urlaub warst und bist an einer Brauerei vorbeigekommen, hast du geklopft und wurdest unmittelbar reingelassen und freundlich empfangen. Dem ist heute nicht mehr so. Der Wettbewerb ist harscher geworden.“ Fix ergänzt: „Es ist ein schmaler Grad zwischen regionalem Fokus bewahren und nationaler Expansion wagen. Einige Craft Beer-Marken wie BRLO haben diesen Spagat gut gemeistert, aber einfach ist er nicht. Wir möchten nun erst mal ‚um den Schornstein‘ rum eine gesunde Mischung aus Gaststätten und Händlern aufbauen. Unser Erfahrung zeigt, dass, sobald wir es einmal ins Restaurant oder in den Supermarkt geschafft haben, wir dann sehr gut verkaufen.

Was sie denn sonst noch vorhaben in den nächsten Monaten, fragen wir. „Ein paar Bier-Leckereien und a bissl Bimbes zum Leben“, entgegnet Dietrich. Man merkt ihm an, dass er seine Freiheit schätzt, jeden Tag genau das Bier zu brauen, was er brauchen möchte und nicht das, was ihm von der Brauereispitze vorgegeben wird. Wenn es nach Fix geht, werden die beiden in nächster Zeit noch ausgefallenere Biere produzieren. „Gezielte Konflikte führen zu den bestmöglichen Ergebnissen“, da ist sich Fix sicher und spricht von ihren aktuell noch unterschiedlichen Ansichten zu der Ausgefallenheit der zukünftigen Biere.

Fix freut sich über eine neue Sorte Craft Beer für den Taproom in Mannheim

Bei den Zielen in der Region sind sich beide dann allerdings einig. „Wir möchten unseren Anker in der Region festigen. Das heißt für uns, dass sich unsere Fans in den Gaststätten und Weinlokalen der Pfalz auch mal auf die Hinterbeine stellen und sich darüber beschweren sollen, dass es kein Haardt Bier gibt. Seien wir doch ehrlich: Selbst die Winzer trinken eine ganze Menge Bier. Die können doch nicht den ganzen Tag ihren vergorenen Traubensaft trinken. Das hält doch kein Magen aus. Und erste Akzeptanzerfolge haben wir ja bereits letztes Jahr gefeiert, als wir im traditionellen Weindorf Forst am Weinfest und beim Dürkheimer Wurstmarkt als einziger Brauer teilnehmen durften.“

Haardt Bier erleben

Wer die Gründer der Pfälzer Biermarke mit dem „puffigen Herz“ selbst einmal treffen möchte, kommt am 17. März 2017 zum Founder Talk im Rahmen unseres Events Mannheim nimmt Maß. Hier stehen Fix und Dietrich nicht nur Rede und Antwort, sondern schenken auch einige Bier-Köstlichkeiten aus. 

Autor: Oliver Brümmer

Fotos: Medienagenten