Nach 21 Jahren verkündete Jochen Hecht (39) das Ende seiner Eishockey-Profikarriere. Knapp ein halbes Jahr ist mittlerweile vergangen. „Wir werden versuchen, Jochen an den Verein, die Adler, zu binden“, so kommentierte Teal Fowler, Manager der Adler, damals die Pläne für eine gemeinsame Zukunft. Seit August 2016 ist Hecht nun als Development Coach bei den Adlern im Amt. ku.bus sprach mit ihm über seine Ziele in der neuen Position, wichtige Erfahrungen und Mitspieler in DEL (Deutsche Eishockey Liga) und NHL (National Hockey League der USA). Selbstverständlich fanden auch die Themen Start-ups und Unternehmertum den Weg ins Gespräch mit Jochen Hecht.

„TAG DER OFFENEN TÜR“ ZUR GROßEN KARRIERE

Jochen wächst in Mannheim-Neckarau auf und besucht die Konrad-Duden-Schule Rheinau. Als seine Eltern vom „Tag der offenen Tür“ im Friedrichspark in der Zeitung lesen, entscheiden sie sich mit ihrem Sohn „einmal vorbeizuschauen“ – beide haben bis dato nichts mit Eishockey am Hut. „Damals war es noch der MERC. Sie haben Kinder für ihre Nachwuchsmannschaften
gesucht. Sie haben meine Eltern nach dem ersten Probeschlittschuhlaufen dann gefragt, ob
ich nicht regelmäßig zum Training kommen möchte“, erinnert sich Hecht. Die Eltern verpassen kein Spiel und begleiten als Betreuer die Jugendmannschaften, in denen ihr Sohn spielt. Sowohl zu Heimspielen, als auch zu langen Auswärtsfahrten. Und das alles, obwohl Hechts Vater durchaus kein Winterliebhaber ist. „Ich habe meinen Eltern viel zu verdanken. Sie haben
nicht nur viel Zeit in meinen Sport investiert.“ So weist Hecht auch auf die Kosten hin. Zwar war seine Spielerausrüstung mit Schlittschuhen, Schutz und Schläger nicht ganz so teuer wie die eines Eishockeytorhüters, aber finanziert werden musste sie allemal.

Mit 16 schließt er die Realschule mit der Mittleren Reife in der Tasche ab. Er überlegt das Abitur draufzusetzen. Ein halbes Jahr besucht er noch das Technische Gymnasium, doch dann wird ihm die Entscheidung der Berufswahl einfach gemacht: „Ich sollte eigentlich schon mit 16 im Kader der Profis mitspielen. DEL-Regularien haben das verboten. Mein erstes Profispiel mit den Adlern habe ich dann mit 17 Jahren gemacht“. Eine spannende Zeit beginnt für das Mannheimer Eishockey. Es ist das Jahr, in dem viele ältere Spieler ihre Schlittschuhe an den Nagel hängen und Platz für die „Jungen Wilden“ machen, wie Hecht sie nennt. „Keine großen Erwartungen, kein Druck von der Vereinsspitze: Wir konnten einfach spielen und Spaß haben“. Rückblickend denkt Hecht noch sehr oft an die ersten Tage seiner Profikarriere zurück: „Ich habe in der Jugend und in den ersten Spielzeiten immer mit älteren Mannschaftskollegen gespielt. Ich kann mich noch genau erinnern, wie Harold Kreis (Anm. d. Redaktion: damaliger Kapitän und späterer Coach in Mannheim), weil er zwei Türen weiter wohnte, mich jeden Tag zum Training abholte und wieder nach Hause fuhr“. Die Beziehung zu Kreis sollte eine wichtige Rolle für Hechts weitere Karriere spielen.

DER WECHSEL IN DIE NHL: „EIN GANZ ANDERES SPIEL“

NHL calling. Mit 18 Jahren kam er: der Anruf aus den USA. „Aber ich war zu dem Zeitpunkt noch nicht weit genug in meiner Entwicklung. Ich habe mich noch nicht reif genug gefühlt“, schildert Hecht. Sein Zeitplan sah zwei weitere Jahre in der DEL vor. Zwei Jahre, die er nicht bereute. Die „Jungen Wilden“ hatten sich zu einem schlagkräftigen Team entwickelt und gewannen in den beiden aufeinanderfolgenden Spielzeiten 1997/98 die deutsche Meisterschaft. Mit vier Jahren DEL-Erfahrung und zwei Meistertiteln im Gepäck schnürte der 21-jährige Hecht nun seine Umzugskartons. Er folgte dem Draftaufruf der St. Louis Blues in die NHL. Seine erste Station, Worcester, ist die Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate in den USA. Im Suite Hotel, in das er für die erste Woche vom Verein eingebucht wurde, machte man Hecht sogar miticherheitsempfehlungen vertraut. So sollte er nachts beim Verlassen des Hotels besser nur rechts abbiegen. Ein Komplettbetreuungspaket mit Wohnung und Auto, wie er das von den Adlern zu Hause für neue Spieler kannte – Fehlanzeige. Noch heute schwingt eine gehörige Portion Respekt mit, wenn Hecht über sein erstes Jahr in den USA spricht: „Es ist ein ganz anderes Spiel in den USA. Das Feld ist kleiner, die Spieler schneller, die Laufwege automatisierter.“ Hecht ist nicht der Einzige, der vom Farm Team der St. Louis Blues, den Worcester IceCats, hoch in die Profimannschaft möchte.

„Selbst im Training flogen auch mal die Handschuhe. Jeder möchte der nächste sein, der zu den Profis wechselt.“ Doch er beißt sich durch. Nach einer harten ersten Saison mit den IceCats und dem Ausscheiden in den AHL-Play-offs (2. Amerikanische Hockey League), orientierten sich Hecht und seine Teamkollegen gen Profimannschaft. Wo stehen sie? Ist ein Spieler verletzt und Ersatz gefragt? Hecht wusste: „Wenn die Profis der Blues gegen Phoenix gewinnen, sind sie in der nächsten Runde der NHL-Playoffs.“ Das Versprechen der Blues-Verantwortlichen damals: „Jochen, dann bist du im Kader und hältst uns den Rücken frei.“ Hier holt Hecht kurz tief Luft als durchlebe er diesen Anruf, der die Geburtsstunde seiner NHL-Karriere bedeutete, nochmals. Wie wenn es erst gestern gewesen wäre. „Ich wusste nicht, ob ich überhaupt noch wollte. Ich hatte eine lange Saison hinter mir. Die Beine waren schwer, der Kopf träge, Deutschland und zu Hause waren nah. Aber es waren die ersten fünf NHL-Spiele für mich, die ich daraufhin absolvierte. Wenn auch nur als Reservist.“

Alte und neue Welt: Hecht im Konferenzraum der SAP-Arena

Hecht findet sich mehr und mehr in den USA zurecht. Seine Familie reist ihm nach. Er spielt zwei weitere Jahre für die Blues, dann zieht es ihn für ein Jahr nach Edmonton bevor er an den Eriesee nach Buffalo übersetzt und dort zehn Jahre für die Sabres spielt. In diesen zehn Jahren entwickelte sich Hecht zur absoluten Führungspersönlichkeit. Nicht nur als Kapitän ging er mit 120% Einsatz voraus. Er liebte die Situationen, wenn ein Spiel „on the line“ stand, der Trainer und er sich anschauten und blind verstanden: „Lass mich aufs Eis! Ich werde das schon regeln. Ich bekomme das hin!“ Gerne schwelgt Hecht in seinen Buffalo Erinnerungen: „Ich habe dort sehr gute Freunde gefunden, konnte mich im Team beweisen und bin mit dem Eigentümer der Sabres sehr gut ausgekommen. Er hat sehr viel für die Stadt getan.“ Besonders gerne ruft sich Hecht eines seiner Wintergames in Buffalo ins Gedächtnis. „Wir haben im Football-Stadion der Bills vor 71.000 Fans gespielt. Es war arschkalt und es hat geschneit. Alle 10 Minuten wurde das Eis gemacht und noch häufiger musste man sich von der beheizten Spielerbank erheben, weil man sonst einen heißen Hintern bekommen hätte“, erinnert er sich schmunzelnd. Dennoch ist Hecht Anhänger der deutschen Fankultur. „Meine Teamkollegen aus Buffalo waren ganz aus dem Häuschen als sie die deutschen Fans bei einem Gastspiel in der SAP Arena stehend und singend erlebt haben. In den USA hat das ja manchmal mehr Kinoatmosphäre“.

Adler im Anflug auf den Kantersieg beim DEL-Wintergame 2017 gegen die Schwenniger Wild Wings

Für Hecht war es ein schleichender Abschied aus den USA. 2005 macht er sich zunächst den NHL-Lockout, die Uneinigkeit der NHL-Vereinseigentümer mit der Spielergewerkschaft, zunutze: Er kehrte für eine Saison zu den Adlern zurück. „Es war klar für mich, dass ich nicht eine Saison die Beine hochlege, sondern in Mannheim spiele. Ich hatte den Sommer über schon mit den Adlern mittrainiert und es war die letzte Saison im altehrwürdigen Friedrichspark.“ Am Ende verpassten die Adler nur knapp den Titel. In der Saison 2012 nutzte Hecht erneut den drohenden Lockout: Er bestritt einige Spiele für die Adler bevor er dann am Ende der Saison endgültig nach Mannheim zurückkehrte. Hier krönte er seine Karriere als aktiver Spieler mit der DEL-Meisterschaft 2015.

REDEN IST SILBER, HANDELN IST GOLD

Hecht ist einer der ruhigeren Sorte. Er hält nicht viel auf große Reden. Er packt lieber an und macht. „Wir hatten in Buffalo eine Zeit, da haben wir nach jedem Spiel rumanalysiert, nach Lösungen gesucht, aber es hat uns nie vorangebracht. Entweder man geht raus und macht oder man lässt es bleiben.“ Genau in diesem Denken gründet auch seine Bewunderung für Harold Kreis: „Harry habe ich früher immer zugeschaut. Er ist einfach einer der nicht lange redet, sondern handelt.“ Angesprochen auf seine Vorbildfunktion als Mannschaftskapitän der Adler und Sabres erklärt Hecht: „Als Kapitän habe ich immer versucht, Vorbild auf dem Eis zu sein und mich zu 120% in den Dienst des Teams zu stellen. Der Trainer wusste, dass ich das Bully gewinne, den Puck über die Blaue bekomme. Wenn das Spiel ‚on the line‘ war, habe ich nie den Kopf eingezogen, weil ich kein Penalty schießen oder aufs Eis wollte. In der Kabine war ich ruhig. Allerdings wusste auch jeder, dass, wenn ich etwas zu sagen hatte, es allerhöchste Eisenbahn war.“ Hecht kommt ins Schwärmen, wenn er über seinen früheren Teamkollegen Pierre Tourgeon erzählt. Hecht und er teilten bei Auswärtsspielen häufiger ein Zimmer. Tourgeon, Mitte 30, war bereits erfahrener Profi und Teil der NHL „Hall of Fame“, eine amerikanische Auszeichnung für besondere Karrieren in der NHL. Obwohl Tourgeon in Hechts Augen schon alles erreicht hatte, war er zu jedem nett und zuvorkommend. Anders als Chris Pronger. Zu Pronger gibt Hecht eine ganz besondere Anekdote zum Besten: „Wir kamen vor unserem Hotel nach einer langen Reise zum Auswärtsspiel an. Die Türen gingen auf, die Vordersten stiegen aus. Jetzt könnte man denken, dass die Vordersten auch die Ersten im Hotelaufzug waren – nicht mit Pronger. Er beanspruchte den ersten Aufzug stets für sich und die Jungspunde hatten zu warten.“

Hecht hat in seinen Jahren in den USA nicht nur austeilen dürfen, sondern musste auch oft hart einstecken. Mehrere Gehirnerschütterungen, eine Hüftverletzung und etliche Puck-Einschläge zwangen ihn sich immer wieder zurück zu kämpfen. Noch sehr lebendig ist seine Erinnerung an seine erste große Lehrstunde im Profigeschäft der NHL: „Wir waren Freitagabend für ein Auswärtsspiel nach Colorado geflogen. Am nächsten Tag lud der St. Louis Coach zu einem freiwilligen Training. Ich dachte mir, dass ich das Training auslasse. Das war keine gute Idee. Am Sonntag vor dem Spiel musste ich mir eine Standpauke vom Coach und von allen anderen Mannschaftskameraden anhören. Jeder ist erschienen. Jeder. Egal, ob 1200 oder 1000 NHL-Spiele auf dem Konto.“

Seltener Anblick: eine ruhende SAP-Arena
Seltener Anblick: eine ruhende SAP-Arena

KNIFFE AUS 21 JAHREN SPIELERFAHRUNG AN „DIE JUNGS“

Das sind die Erfahrungen, die Hecht nun als Development Coach an „seine Jungs“ weitergeben möchte. Es sind oft Kleinigkeiten, die über ein Spiel entscheiden – nicht nur die Einstellung zum freiwilligen Training am Tag davor. Die richtige Schlägerhaltung, mit der Hand zur richtigen Zeit den Gegner schieben, das Stellungsspiel. Angesprochen auf die Tatsache, dass es vor ihm noch keinen Development Coach bei den Adlern gegeben hat, antwortet er: „Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie wir es vorher gemacht haben. Ich stehe jeden Tag mit einigen Spielern auf dem Eis. Ich habe zwar auch einen Schreibtisch irgendwo in der SAP Arena, aber dran gesessen habe ich noch nicht.“ Auf die Frage hin, was seine Ziele seien und ob er noch viel lernen müsse, antwortet Hecht mit einer ganzen Liste an Veranstaltungen und Aktivitäten. Er möchte weitere Erfahrungen in seinem neuen Job sammeln. Das beinhaltet, wie er selbst betont, „sich auch im Netz nach neuen Trainingsmethoden und -kniffen zu informieren“. Große Höhepunkte im laufenden „Geschäftsjahr“ sind das Wintergame der Adler gegen die Schwenninger Wild Wings im Sinsheimer Fussballstadion und besonders auch die Weltmeisterschaft im eigenen Land und Frankreich. Es wäre nicht das erste Mal, dass er an der Bande der A-Nationalmannschaft des DEB als Coach stünde. Bereits letztes Jahr berief ihn Marco Sturm, der damalige Head-Coach, in den Trainerstab. „Schauen wir mal, was die Zukunft mit sich bringt“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.

Hecht betont, dass er an die Entwicklung der DEL und des deutschen Eishockeys glaubt. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, vor allem hier in Mannheim. Natürlich ist der Professionalisierungsgrad in der NHL noch größer. Das hängt nicht zuletzt an den sehr viel höheren Etats der Vereine. Aber wenn man sich Mannheim mal anschaut, dann findet man hier schon ein tolles Umfeld für die Spieler: Die Trainingsbedingungen sind weltklasse. Es wird nicht nur dafür gesorgt, dass es den Spielern gut geht. Auch für die Familien der Spieler wird bestens gesorgt.“ Dann hält Hecht nochmal einen Moment inne und muss an das Spiel gegen die Wolfsburg Grizzlies Anfang Januar denken. Eine Sache ist ihm dann doch noch ein Herzensanliegen – die Fairness. Und da geht es in den USA mit dem Einsatz eines sogenannten „Video Judge“ doch noch eine Portion fairer zu. „Der Video Judge entlastet die Schiedsrichter und macht bspw. Schwalben unmöglich. Bei der ersten Schwalbe gab es in den USA eine Geldstrafe. Beim zweiten Mal warst du ein Spiel gesperrt. Da hat sich jeder Spieler genau überlegt, auf was er sich mit unsportlichem Verhalten einlässt.“

Langjährige Weggefährten: Stadionsprecher-Urgestein Udo Scholz mit Hecht vor der Adler Kabine

FAMILIE HOPP UND DER ANPFIFF INS EIGENE UNTERNEHMERTUM?

Angesprochen auf das Wirken der Familie Hopp in Rhein-Neckar gerät Hecht regelrecht ins Schwärmen. „Fantastisch!“ beschreibt er das, was Hopps für die Region auf die Beine gestellt haben. „Sie haben einfach gemacht und haben sich nicht von Neidern abhalten lassen. Das verdient größte Anerkennung. Es sind ja nicht nur die großen Projekte wie die Adler, die
TSG oder die Rhein-Neckar Löwen, welche die Hopps auszeichnen, sondern dass sie mit dem Fußballprojekt ‚Anpfiff ins Leben‘ oder den Kinderspielplätzen ‚Alla hopp!‘ auch Etliches für den Nachwuchs tun.“ Kann sich der ehemalige Profisportler denn vorstellen, selbst irgendwann Unternehmer zu werden? Hier kommt Hecht ins Grübeln. Er wäre nicht der erste Sportler der Rhein-Neckar-Region, der es mit einem eigenen Unternehmen versucht. Uwe Gensheimer, Ex-Handball-Profi der Rhein-Neckar Löwen, gründete vor einigen Jahren schon ein Socken-, Unterwäschen-und T-Shirt-Label. Hecht ist nicht überzeugt, dass ein Start-up für ihn das Richtige wäre. „Ich habe die Erfahrung einfach nicht, sowas alleine aufzubauen.“ Ein zweites Standbein möchte er sich dennoch irgendwann einmal aufbauen. „Es gibt ein paar Sachen, die ich mir gut vorstellen könnte. Die Spielerberatung wäre es nicht. Einzelne Spieler zu vertreten ist nichts für mich.“ Als er diesen Satz ausspricht, ist er mit seinem Gesichtsausdruck bereits beim nächsten Gedanken: „Ich möchte lieber was Größeres machen,“ betont er mit einem Grinsen.

Vom eiskalten Spiel in die wärmende Drittelpause: Adler und Wild Wings auf dem Weg in die Kabine
Vom eiskalten Spiel in die wärmende Drittelpause: Adler und Wild Wings auf dem Weg in die Kabine

„SO, WHAT IS NEXT?“

Hat ein Mann, der so viel erreicht hat in seiner Disziplin in so jungen Jahren, denn eigentlich noch Träume? „Mein größter Traum war es, Eishockeyprofi zu werden. Den habe ich mir erfüllt. Ich fühle mich jetzt sehr entspannt nach meinem Karriereende. Ich spüre keinen Leistungsdruck mehr, vermisse das aktive Spielen noch nicht einmal. Mit den Jungs gehe ich vor dem Spiel aufs Eis, setze mich dann während des Spiels auf die Tribüne, rege mich ein wenig auf und fahre wieder nach Hause. Ich habe nicht mehr konstant das Gefühl, den Jungs helfen zu müssen. Selbst bei einer schweren Verletzung machst du dir immer Druck möglichst schnell wieder zum Team dazu zu stoßen, auf dem Eis zu stehen.“ Eines, das schiebt er hinterher, ist ihm allerdings so wichtig wie am ersten Tag bei den Profis des MERC. Und zwar sein Team: „Ich würde es sehr vermissen, bei den Jungs zu sein. Es gibt keinen Beruf, bei dem du die Umgangsweise pflegst, die wir mit dem Team in der Kabine haben.“

Ein dankbarer Goalkeeper mit düsterer Miene: Hecht mit Torhüter-Dummy „Freddy“

VITA

JOCHEN HECHT

Jochen Hecht gab im Juli 2016 das Ende seiner Profikarriere bekannt. Im August startete er in sein neues Amt als „Development Coach“ der Adler Mannheim Eishockey-Spielbetriebs-GmbH & Co. KG, in dem er sein Wissen und seine Erfahrungen aus mehr als 20 Jahren Profidasein an die jungen Spieler der Adler weitergibt.
Hecht begann seine Karriere beim MERC und stand in der Saison 1994/95 erstmals im Kader der Profis. Mit den Adlern wurde er dreimal Deutscher Meister – zuletzt 2015. Im Meisterjahr ernannte ihn die DEL zum „Most Valuable Player (MVP)“ der Play-offs. Hecht absolvierte insgesamt 36 Spiele für die deutsche Juniorenauswahl und 58 für die deutsche Nationalmannschaft. Er stand bei Eishockeyweltmeisterschaften und den Olympischen Winterspielen auf dem Eis und gehörte 2016 bereits zum Trainerstab der deutschen Nationalmannschaft als er seinem ex-NHL-Kollegen und Bundestrainer Marco Sturm beim Deutschland-Cup assistierte.
In seiner Zeit in der nordamerikanischen Profiliga NHL bestritt er mehr als 800 Spiele. Von den St. Louis Blues 1998 gedraftet, musste sich Hecht zunächst durch das von Konkurrenz geprägte Umfeld der Worcester IceCats, dem Farm Team der St. Louis Blues, beißen. Am Ende seines ersten US-Jahres stand er dann zum ersten Mal im Aufgebot des Profiteams der Blues – direkt in den NHL-Play-offs. Von St. Louis führte ihn sein Karriereweg über das kanadische Edmonton nach Buffalo am Eriesee. In Buffalo erlebte er in der Saison 2004/05 seinen ersten NHL-Lockout. NHL-Eigentümer und Spielergewerkschaft konnten sich über die Konditionen der neuen Saison nicht einig werden. Die Stadiontüren blieben geschlossen und Hecht kehrte für eine Saison zurück nach Mannheim, wo er um Haaresbreite die Meisterschaft mit den Adlern verpasste. Wären da nicht die Eisbären Berlin im Finale gewesen und ein kräftezehrendes Halbfinale gegen die, damals noch in der DEL spielenden, Frankfurter Löwen.

Autor: Oliver Brümmer

Fotos: Sarina Kullmann